Wien, 02.11.2020

Es ist passiert. Nun hat es Österreich erwischt. Terroranschlag in Wien. Und während die einen schon Porträts des Attentäters veröffentlichen versuchen die meisten erst überhaupt zu verstehen, was da eigentlich passiert ist. Denn bis gestern kurz vor 20 Uhr, war Wien sicher. Diese Sicherheit gilt es jetzt wiederherzustellen, nicht durch die Polizei und das Innenministerium, die alles dafür tun, sondern es gilt das Gefühl in uns, die innere Sicherheit, wiederzuerwecken.

Das Jahr 2020 hat es in sich. Corona, Black Lives Matter, Moria, die Wien Wahl, US Wahl und die zweite Welle. Eigentlich sollten wir uns jetzt über die neuen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie brüskieren. Sollten uns über die laschen Handlungen und die schlechte Kommunikation der Bundesregierung beschweren. Stattdessen blicken wir mit Schrecken in die Landeshauptstadt und können nicht fassen, dass ein Terror Akt das Leben von 4 unschuldigen Menschen gefordert hat.

Wir verfolgen die Nachrichten, scrollen durch Twitter und Instagram…und sind auf der Suche. Auf der Suche nach Antworten, auf der Suche nach Gründen, auf der Suche nach Erklärungen. Wir wollen helfen, sind schockiert. Unser Weltbild ist durcheinandergeraten. Aus den Fugen gedonnert worden, so plötzlich, ohne Warnung, wahrscheinlich werden wir das alles erst in einigen Tagen realisieren. Wenn überhaupt.

Während die Polizei und Einsatzkräfte nun seit mittlerweile 18 Stunden alles daran setzen den ersten Wiener Gemeindebezirk und ganz Österreich zu sichern, ist es nicht nur die äußere Sicherheit, die wiederhergestellt werden muss. Wir alle wurden in unserem Grundgefühl erschüttert. Österreich war immer sicher. Zumindest hat es sich so angefühlt. Es gab sie, die Attentate. Auf die OPEC, Roma oder auch den Wiener Flughafen. Aber das ist lange her. Viele von uns waren damals noch nicht einmal auf der Welt. Nun scrollen wir erschrocken durch unsere News Feeds, versuchen jede Neuigkeit einzufangen, wie Puzzleteile, die ein Gesamtbild ergeben. Egal wie, dass WARUM muss beantwortet werden. Warum! Warum mussten vier Menschen auf diese brutale Art und Weise sterben? Warum wurde dieses Attentat genau vier Stunden vor dem Lockdown begangen? Warum konnte das alles überhaupt geschehen?

Es geht dabei gar nicht um Schuldzuweisung, es geht einfach darum Sinn aus dieser Sache zu ziehen. Zu wissen, DESWEGEN.

Und auch wenn wir noch nicht sagen können warum dieser Anschlag am 2. November 2020 in Wien verübt wurde, eines ist ganz stark spürbar. Aus den politischen, gesundheitlichen, menschlichen Lagern wurde plötzlich eines. Man plädiert auf Zusammenhalt, feiert die Helden, bedankt sich bei Polizei und Einsatzkräften. „Schulterschluss“ ist das Wort, das jeder in sein Vokabular aufzunehmen scheint, denn es ist die Hoffnung, die uns vorwärtsträgt.

Egal ob man an der Seite der Regierungsmitglieder oder der katholischen Kirche oder der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich steht, eines sagen sie alle: Wir lassen den Hass nicht auf fruchtbaren Boden treffen. Wir sind stärker. Wir bleiben zusammen. Terror wird bekämpft, aber wir stehen zusammen darüber. Die Angst ist jetzt da, das darf sie, aber sie wird uns nicht leiten. Der Hass wird uns nicht leiten. Gemeinsam werden wir dieses Attentat überstehen und stärker aus dieser Gräueltat hervorkommen. Denn Wien ist und bleibt Wien, Österreich Österreich und „Oaschlöcher“ können sich einfach nur schleichen.


Für alle die psychische Unterstützung benötigen, über das erlebte, gesehene sprechen wollen hier ein paar wichtige Telefonnummern:

Corona-Sorgenhotline (täglich 8 – 20 Uhr): (01) 4000 53000
Psychiatrische Soforthilfe Wien (24/7): (01) 31 330
Kriseninterventionszentrum: 01 406 95 95
Servicetelefon der Kinder- und Jugendhilfe: (01) 4000 8011
Notfallpsychologischer Dienst Österreich: 0699 188 554 00
Rat auf Draht: 147